Boa constrictor (Abgottschlange): Die ideale Riesenschlange für daheim?

Eine Boa constrictor schlängelt sich auf einem Ast im Terrarium.

Die Boa constrictor (Abgottschlange) zählt vielleicht nicht zu den klassischen Haustieren, aber in jedem Fall zu den imposantesten. Doch wie schwierig ist eigentlich ihre Haltung im Terrarium? In unserem Tierporträt erhalten Sie nicht nur die wichtigsten Informationen zur Pflege der Riesenschlange. Wir erklären auch, weshalb sie im Grunde ein ziemlich unkomplizierter Terrarienbewohner ist.

Name und Gattung

Die Boa constrictor – im Deutschen auch Abgottschlange genannt – gehört zur artenreiche Familie der Riesenschlangen (Boidae). Boas sind Würgeschlangen, die ihre Beute durch Umschlingen mit ihrem Körper töten. Darauf verweist schon der lateinische Begriff constrictor, der sich mit „Zusammenzieher“ übersetzen lässt. Zu den Riesenschlangen gehören einige der größten Schlangenarten der Welt, wie beispielsweise die Anakonda.

Wo lebt die Boa constrictor?

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Boa constrictor erstreckt sich vom Norden Mexikos über ganz Mittelamerika bis hin nach Südamerika. Die Riesenschlangen haben sich dabei in verschiedenen Lebensräumen angesiedelt. Sie bewohnen feuchte Regenwälder wie den Amazonas-Dschungel, trockene Savannen und Buschländer, aber auch tropische Bergwälder. Meistens ist die Abgottschlange in der Nähe von Gewässern anzutreffen.

Steckbrief

  • Körperlänge: 1,5 bis 4,5 Meter
  • Gewicht: bis zu 30 Kilogramm
  • Lebenserwartung: 20 Jahre und mehr
  • Terrariengröße ab 2,30 Meter Körperlänge: 180 x 80 x 80 Zentimeter (Länge x Breite x Höhe)
  • Haltung: einzeln oder paarweise
  • Temperaturen: 24 bis 30 Grad Celsius (Tag), 20 bis 23 Grad Celsius (Nacht)
  • Sonnenplatz: 30 Grad Celsius und mehr
  • Luftfeuchtigkeit: 70 Prozent
  • Bodengrund: Holzgranulat
  • Einrichtung: Verstecke, Badebecken, Kletteräste, Liegebretter
  • Ernährung: Futtertiere wie Ratten und Mäuse
  • Besonderheiten: dämmerungs- und nachtaktiv, wasserliebend
  • Herkunft/ Verbreitung: Mittel- und Südamerika
  • Lebensraum: Regenwald, Savanne, Halbwüste
  • Schwierigkeit in der Haltung: Lebendfütterung

Welche Boa-Unterart eignet sich am besten fürs Terrarium?

Es gibt insgesamt zehn Unterarten der Boa constrictor. Dazu zählen beispielsweise die Boa constrictor mexicana oder die Boa constrictor nebulosa. Die Unterarten unterscheiden sich anhand ihrer optischen Merkmale und Verhaltensweisen voneinander.

Besonders beliebt in der Terraristik sind zwei Arten: die Boa constrictor imperator (Kaiserboa) und die Boa constrictor constrictor (Königsboa). Beide gelten als recht unkompliziert bei der Pflege und Fütterung. Bei artgerechter Haltung kann eine Abgottschlange bis zu 20 Jahre alt werden. Entscheiden Sie sich für eine Abgottschlange, dann womöglich für einen langen Zeitraum.

Wichtig: Die Königs- und Kaiserboa sind in Deutschland bislang nicht meldepflichtig. Jeder Halter muss allerdings einen Herkunftsnachweis für sein Tier besitzen. Achten Sie beim Kauf daher auf die Seriosität des Züchters. Informieren Sie sich bitte außerdem, ob die Königsboa in Ihrem Bundesland als potenziell gefährliches Tier gilt. Die gesetzlichen Vorschriften variieren hier.

Eine Kaiserboa bewegt sich durchs Terrarium.
Die Kaiserboa (Boa constrictor imperator) ist eine weitere beliebte Boa-Unterart für das Terrarium.

Größe und Aussehen der Abgottschlange

Hätten Sie es gedacht? Die Boa constrictor ist die kleinste unter den Riesenschlangen. Dabei gibt es zwischen den Unterarten natürlich deutliche Größenunterschiede: So wird die Kaiserboa beispielsweise etwa einen Meter lang, die Königsboa erreicht hingegen eine Endgröße von bis zu vier Metern. Je nach Größe kann ein Exemplar bis zu 30 Kilogramm auf die Waage bringen.

Ein typisches Merkmal der Boa constrictor ist ihr großer breiter Kopf, der zur Schnauze hin keilförmig zuläuft. Die Ober- und Unterkiefer sind nicht fest miteinander verbunden. Auf diese Weise kann die Schlange ihre Kieferhälften beim Verschlingen von Nahrung einfach aushaken.

Welche Farbeinschläge und Zeichnungen gibt es?

Faszinierend sind die ausdrucksstarke Zeichnung und die unterschiedliche Grundfärbung der Boas. Diese kann von cremeweiß, graubraun bis hin zu schwarzen Farbeinschlägen reichen. Ein weiteres, typisches Merkmal der Boas sind die dunkel umrandeten bräunlich gefärbten Sattelflecken auf dem Rücken, die bei manchen Arten zum Schwanz hin einen kräftig roten Farbton annehmen. Daher stammt auch der Name Rotschwanzboa – ein andere Bezeichnung für die Königsboa.

Zudem verläuft von der Stirn bis zur Schnauze der Riesenschlangen ein deutlicher Strich. Hinter den Augen befindet sich eine dunkle Schläfenbinde, die sich von der Schnauzenspitze bis zu den Halsseiten zieht.

Wie unterscheiden sich Männchen von Weibchen?

Weibliche und männliche Abgottschlangen sehen sich sehr ähnlich. Dennoch können äußere Merkmale einen Hinweis auf das Geschlecht geben. Bei erwachsenen Schlangen kann zum einen die Körpergröße darauf hinweisen. Die Männchen bleiben im Schnitt 30 bis 40 Zentimeter kleiner als die Weibchen.

Zum anderen können Ihnen die Aftersporne können bei der Geschlechtsbestimmung helfen. Diese finden Sie links und rechts neben der Kloake Ihres Tieres. Sie sehen wie zwei kleine Krallen aus. Bei den Männchen sind sie in der Regel stärker ausgeprägt.

Dennoch ist es relativ schwer, das Geschlecht von Schlangen zu unterscheiden. Falls Sie sich unsicher sind, fragen Sie am besten einen reptilienkundigen Tierarzt.

Verhalten: Was sind die Besonderheiten der Boa constrictor?

Die meisten Unterarten der Boa constrictor sind Bodenbewohner. Jungtiere halten sich aber auch gerne im Geäst von Bäumen auf. Mit zunehmender Größe und Gewicht verlagern die Riesenschlangen jedoch ihren Lebensraum verstärkt auf die Bodenregionen.

Die Boa constrictor ist darüber hinaus nicht sonderlich bewegungsfreudig. Die meiste Zeit des Tages versteckt sie sich in ihrem Unterschlupf. Diesen verlässt sie allerdings gelegentlich für ein Sonnenbad, um sich aufzuwärmen. Denn als wechselwarmes Tier kann sie ihre Körpertemperatur nicht von allein regulieren. Richten Sie Ihrer Abgottschlange im Terrarium daher unbedingt unterschiedliche Wärmezonen ein.

Legt die Abgottschlange Eier?

Die Boa constrictor ist lebendgebärend, legt also keine Eier. 100 bis 120 Tage nach der Paarungszeit kommt es zur Geburt von fünf bis zu 40 Jungtieren. In der freien Natur sind die bereits voll entwickelten Jungtiere fortan auf sich allein gestellt. Für das Terrarium gilt: Nach der Geburt sollten Sie den Nachwuchs direkt in ein Kleintierterrarium oder eine Fauna-Box umsetzen.

Sollten Sie mit dem Gedanken spielen, selbst zum Boazüchter zu werden, informieren Sie sich am besten vorher beim zuständigen Veterinäramt. Beachten Sie außerdem, dass das Angebot an Königs- und Kaiserboas relativ groß ist.

Wie oft häutet sich die Boa constrictor?

Boas wachsen ihr Leben lang und häuten sich regelmäßig. Bei gesunden Jungtieren geschieht das alle sechs bis acht Wochen, bei älteren Tieren nur noch alle drei bis sechs Monate. Wenn Sie beobachten, dass die Haut blass wird und sich die Augen ihrer Schlange trüben, steht die Häutung bevor. Besprühen Sie Ihren Schützling nun regelmäßig mit lauwarmen Wasser, um die Häutung zu erleichtern.

Ist die Riesenschlange für den Menschen gefährlich?

Die Boa constrictor ist kein Schmusetier. Wie alle Reptilien sollten Sie sie daher nur in Ihrem Terrarium beobachten. Unterschätzen Sie außerdem niemals die Kraft und Schnelligkeit einer ausgewachsenen Abgottschlange. Gerade ein Biss kann sehr schmerzhaft sein. Davon abgesehen ist die Abgottschlange aber meistens friedlich.

Ist die Boa constrictor giftig?

Nein, die Abgottschlange hat keine Giftzähne und produziert dementsprechend kein Gift. Vielmehr erwürgt sie ihre Beute mit ihrer unwahrscheinlich starken Körpermuskulatur. Als nachtaktive Schlange geht die Boa constrictor in der Dämmerung auf die Jagd. Hat sie ihre Beute aufgespürt, überwältigt sie ihr Opfer in Sekundenschnelle, erwürgt es und schlingt die Nahrung im Ganzen herunter.

Wie hält man eine Abgottschlange richtig?

Vom Mikroklima, über die Größe des Terrariums bis hin zur Einrichtung – in diesem Abschnitt finden Sie wichtige Empfehlungen für die artgerechte Haltung.

Welches Klima sollte im Terrarium herrschen?

Die Boa constrictor bevorzugt eine Tagestemperatur von 27 bis 30 Grad Celsius. Dabei sollte das Terrarium über unterschiedliche Wärmezonen verfügen. Sonnenplätze mit Temperaturen von 30 Grad Celsius und mehr erreichen Sie durch spezielle Wärmelampen. Hochebenen, die sich näher an Licht- und Wärmequelle befinden, sorgen für weitere Klimabereiche.

In der Nacht sollten die Temperaturen nicht unter 20 Grad Celsius abfallen. Die Luftfeuchtigkeit von rund 70 Prozent erreichen Sie am besten, indem Sie das Terrarium und die Einrichtung ein- bis zweimal täglich besprühen. Für einen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus sollte die Tagesbeleuchtung rund zwölf Stunden betragen.

Eine Abgottschlange sonnt sich im Terrarium.
Bei Abgottschlangen handelt es sich um wechselwarme Tiere. Terrarien sollten deshalb über Wärmelampen zum "Sonnen" verfügen.

Welche Technik benötige ich?

Schlangen fühlen sich zur Wärme hingezogen – und das kann gefährlich werden! Nicht selten verbrennen sich Schlangen im Terrarium. Damit sich Ihre Boa constrictor nicht verletzt, sollten Sie immer darauf achten, dass die Elektrik gut geschützt ist und für die Schlange unerreichbar bleibt. Über folgende Technik sollte Ihr Terrarium verfügen:

  • Infrarotdeckenstrahler als Wärmequelle (Alternativen sind möglich)
  • Spotstrahler über den Sonnenplätzen
  • mehrere im Becken verteilte Thermometer
  • Hygrometer
  • Leuchtstoffröhre als Lichtquelle
  • Zeitschaltuhr

Wie groß soll das Terrarium sein?

Abgottschlangen sind Einzelgänger und können artgerecht alleine in einem Terrarium gehalten werden. Generell eignen sich vor allem Vollglas-Terrarien gut für die Haltung von Schlangen.

Beachten Sie aber, dass sich die Ansprüche an die Größe Ihres Terrariums verändern werden – je nach Alter und Länge Ihrer Boa constrictor. Orientieren Sie sich bei der Wahl des richtigen Terrariums an nachfolgenden Maßen:

Körperlänge Schlange Mindestmaße Terrarium
< 2,3 m 120 cm Länge x 60 cm Breite x 60 cm Höhe
> 2,3 m 180 cm Länge x 80 cm Breite x 80 cm Höhe

Was sieht die ideale Einrichtung aus?

Die Boa constrictor bewegt sich wenig und zieht sich am Tage gern in ihr Versteck zurück. Daher sollten Sie Ihrer Schlange immer mehrere Versteckmöglichkeiten zur Verfügung stellen. Hierzu eignen sich, neben speziellen Schlangenhöhlen aus dem Handel, zum Beispiel Plastikschüsseln, Holzkisten, Korkrinde oder Blumentöpfe. Als Bodengrund für das Terrarium können Sie ein feines Holzgranulat verwenden.

Je größer und schwerer Ihre Boa wird, umso weniger Klettermöglichkeiten benötigt sie. Jungtiere klettern hingegen recht gern. Ein paar stabile Kletteräste sollten daher im Terrarium nicht fehlen. Ältere Tiere bevorzugen dagegen erhöhte Liegebretter, die Sie an den Rück- und Seitenwänden anbringen können.

Boas lieben es außerdem zu baden. Ein geräumiges Badebecken darf aus diesem Grund in keinem Boa-Terrarium fehlen. Das Wasser sollten Sie aber täglich wechseln. Ohnehin ist es wichtig, das Terrarium einmal im Monat komplett zu reinigen.

Ernährung: Was frisst die Boa constrictor?

Die Abgottschlange ernährt sich von Wirbeltieren, die sie als Lebendfutter zu sich nimmt. Auf dem Speiseplan der Terrarientiere stehen meist Mäuse und Ratten. Achten Sie dabei immer auf eine altersgemäße Ernährung und halten sie folgende Futterabstände ein:

  • Jungtiere: alle fünf bis sieben Tage
  • im Alter von ein bis zwei Jahren: alle zehn bis 14 Tage
  • ausgewachsene Riesenschlangen: alle zwei bis drei Wochen

Damit wünschen wir Ihnen nun viel Freude mit Ihrer Abgottschlange! Sie haben sich für einen faszinierenden und schönen Terrarienbewohner entschieden.

Die Boa constrictor ist doch nichts für Sie? Dann werfen Sie einen Blick in unser Terraristikmagazin. Dort stellen wir Ihnen regelmäßig neue Tiere vor. Wenn Sie sich doch eher für Hunde, Katzen oder Fische begeistern, finden Sie im zooplus Magazin auch hierzu viele interessante Beiträge. In unserem Online-Shop finden Sie darüber hinaus alles rund ums Tierwohl.

Unsere beliebtesten Beiträge

Achatschnecken (Achatinidae)

Achatschnecken (Achatinidae), die auch Afrikanische Riesenschnecken genannt werden, gehören zu den größten Landschnecken. Sie können eine Länge von bis zu 30 cm erreichen. Ihre Heimat ist in Afrika und in vielen tropischen Ländern. Der natürliche Lebensraum des großen Tieres ist vielfältig. Sie sind in trockenen Regionen ebenso zu finden wie in regenreichen Gebieten und Sümpfen.

Bartagamen

Bartagamen sind unter Terrarianern sehr beliebt, denn sie sehen nicht nur faszinierend aus, sie können mit etwas Fingerspitzengefühl auch besonders zutraulich und sogar handzahm werden. Auch wenn Sie das Hobby gerade erst neu für sich entdeckt haben, können Sie durchaus mit Bartagamen in die Terraristik starten. Informieren Sie sich vorab über die unterschiedlichen Arten und die Haltungsanforderungen der Minidinos aus Australien.

Schildkröte

Die Faszination eine der ältesten lebenden Spezies zu halten, ist für viele Schildkrötenliebhaber ungebrochen, auch wenn sie keine Tiere zum Schmusen sind. Dafür können die Reptilien oft sehr alt werden und sind bei richtiger Haltung ein langjähriger Begleiter. Wie Sie eine Schildkröte als Haustier richtig halten, erfahren Sie hier.