Friese

Verfasst von Natalie Decker
Freisen Pferde auf der Weide

Ihre lange, wallende MĂ€hne ist das Markenzeichen der Friesen.

Der Friese zählt nicht nur zu den ältesten, sondern auch zu den teuersten Pferderassen Europas. Seine eleganten Bewegungen machen den majestätischen Niederländer zu einem begehrten Kutsch- und Dressurpferd. Aufgrund seiner besonderen Statur ist der edle Rappe allerdings nicht für Anfänger geeignet.

Aussehen: Wie groß sind Friesen?

Friesen sind stattliche Pferde, die ein Stockmaß von bis zu 175 Zentimetern erreichen. Stuten sind meist 155 bis 165 Zentimeter groß, während Hengste erst ab einer Größe von mindestens 158 Zentimetern zur Zucht zugelassen werden.

Das Gewicht der imposanten Tiere beträgt zwischen 520 und 770 Kilogramm.

Spezielle Silhouette

Charakteristisch für diese Pferderasse ist der hoch angesetzte, gewölbte Hals, welcher den eher kleinen Kopf trägt. Die dunklen Augen der edlen Rappen sind groß und freundlich.

Die breite Brust, der verhältnismäßig kurze Rücken und die oftmals leicht gespaltene, abfallende Kruppe verleihen dem Friesen seine spezielle Silhouette.

Ist der Friese ein Kaltblut?

Der Körperbau des Friesenpferds ist kompakt und muskulös, wobei man zwischen dem Sporttyp und dem Barocktyp unterscheidet. Sportliche Friesen sind größer und schlanker, während barocke Friesen kräftiger, aber dennoch elegant und anmutig sind. Trotz ihres barocken Erscheinungsbilds werden Friesen zu den Warmblütern gezählt.

Edle Rappen mit langer Mähne

Die Fellfarbe dieser Pferderasse ist immer schwarz. Es werden ausschließlich Rappen gezüchtet, was der Rasse den Beinamen „Schwarze Perle“ einbrachte. Weiße Abzeichen sind nicht erwünscht. Zwar kommen auch immer wieder Füchse vor. Allerdings werden Hengste, die eine rötliche Fellfarbe vererben, von der Zucht ausgeschlossen.

Typisch für den Friesen sind seine lange, oftmals gewellte Mähne, der üppige Schweif und der Fesselbehang. Ab und an werden die Tiere daher auch als Langhaarpferde bezeichnet.

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Den gebogenen Hals verdankt der Friese einer früheren Einkreuzung spanischer Pferde.

Wesen: Sind Friesen stur?

Die niederländische Rasse gilt als sanftmütig, menschenbezogen und sensibel. Die Tiere besitzen starke Nerven, eine schnelle Auffassungsgabe und eine große Lernbereitschaft.

Manche Exemplare nutzen jedoch ihre Intelligenz, um eigene Entscheidungen zu treffen. Hier ist eine konsequente Erziehung seitens des Reiters gefragt, da die eigentlich gutmütigen, freundlichen Friesen ansonsten ihre sture Seite zeigen können.

Ist ein Friese für Anfänger geeignet?

Obwohl Friesenpferde häufig als ruhig und geduldig beschrieben werden, besitzen sie durchaus Temperament und einen gesunden Drang nach vorne. Ihr Gang ist schwungvoll und geprägt von einer hohen Knieaktion.

Aufgrund der exaltierten Bewegungen sind die Gänge des Friesen nicht immer leicht zu sitzen. Als Anfängerpferd ist er daher nicht unbedingt geeignet.

Eignung: Vom Kutsch- zum Reitpferd

Das barocke Warmblut war früher aufgrund seiner majestätischen Erscheinung ein beliebtes Kutschpferd. Und auch heute noch machen die eleganten Rappen im Gespann eine gute Figur. Ihre raumgreifenden Bewegungen in Schritt und Trab wirken vor der Kutsche äußerst beeindruckend.

Ist ein Friese schwer zu reiten?

Inzwischen sind die imposanten Friesen aber auch beliebte Reit- und Freizeitpferde. Wegen ihrer kompakten Statur mit dem hoch angesetzten Hals lassen sie sich jedoch schwer über den Rücken reiten.

Die Tiere haben mitunter Probleme, sich auszubalancieren und den Rücken aufzuwölben. Der Reiter muss daher die Tendenz des Pferdes, sich einzurollen, korrigieren. Einen Friesen zu reiten, erfordert deshalb etwas Übung.

Elegante Dressur- und Showpferde

Weitere Einsatzgebiete der schwarzen Schönheiten reichen von der klassischen Dressur über Zirzensik bis hin zur Hohen Schule. Dank ihrer Zuverlässigkeit und Nervenstärke eignen sich Friesen gut als Show- und Filmpferde.

Für den Turniersport, insbesondere für Galopprennen und Springreiten, kommen sie dagegen weniger infrage. Und auch für Jagdritte sind die friesischen Pferde nicht wirklich gut geeignet.

Haltung: Wie bleiben Friesen gesund?

Als soziale Tiere wollen Friesen in einem stabilen Herdenverbund leben. Sie brauchen viel Bewegung und eignen sich gut für die Offenstallhaltung.

Kälte macht den genügsamen Vierbeinern nichts aus. Dennoch sollte ihnen Schutz vor Wind und Wetter geboten werden. Im Sommer ist ein Schattenplatz unabdingbar, da sich das schwarze Fell der Friesenpferde schnell aufheizt.

Was muss ich bei der Fütterung von Friesenpferden beachten?

Bei der Fütterung ist zu beachten, dass Friesen einen geringeren Energiebedarf als andere Warmblüter haben. Trotzdem müssen sie mit ausreichend Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen versorgt werden, um ein glänzendes Fell und eine schöne wallende Mähne zu entwickeln.

Die Dosierung des Kraftfutters erfordert daher etwas Augenmaß. Eine zu geringe Futtermenge kann zu Mangelerscheinungen führen, wohingegen zu viel Futter Übergewicht und Hautprobleme begünstigt.

Gesundheit: Sind Friesen anfällig für Krankheiten?

Durch den Kötenbehang an den Beinen neigen Friesen zur Mauke. Der Fesselbehang sollte daher regelmäßig gebürstet und getrimmt werden. Und auch die lange Mähne und der prachtvolle Schweif bedeuten einen erhöhten Pflegeaufwand.

Gut zu wissen: Die hohe Knieaktion des Friesen kann zu Knieproblemen führen. Immer wieder werden bei dieser Rasse Patella-Luxationen beobachtet, das heißt herausgesprungene Kniescheiben. Womöglich ist die Veranlagung hierzu angeboren.

Herkunft: Arbeitspferd aus den Niederlanden

Friesen gelten als eine der ältesten Pferderassen Europas und stammen aus der niederländischen Provinz Friesland.

Der Ursprung dieser Rasse reicht weit über 1000 Jahre zurück. Schon Julius Cäsar und der römische Geschichtsschreiber Tacitus sollen die anmutigen Pferde erwähnt haben.

Einkreuzung iberischer Pferde

Entscheidend zur Entwicklung des heutigen Friesen haben die iberischen Pferde beigetragen, die während der spanischen Besetzung der Niederlande eingekreuzt wurden. Im 16. und 17. Jahrhundert kreuzte man nämlich spanische Pferde mit holländischen Kaltblütern und legte dadurch den Grundstein für die moderne Friesenzucht.

Dem Andalusier verdankt das Friesenpferd beispielsweise seinen gebogenen Hals und die hohe Knieaktion. Seine eleganten Bewegungen machten den Friesen zu einem repräsentativen Kutschpferd für den Adel.

Vor dem Aussterben gerettet

Im 18. Jahrhundert schrumpfte schließlich das Interesse an der niederländischen Rasse, wodurch der Friese beinahe ausgestorben wäre. Seit 1879 gibt es das offizielle Stammbuch der Rasse – 1913 waren darin nur noch drei Zuchthengste vermerkt.

Pferdezüchter unternahmen große Anstrengungen, um die Rasse zu retten und in ganz Europa zu verbreiten. Inzwischen wird in Reinzucht gezüchtet: Fremdes Blut wird seit der Einkreuzung der spanischen Pferde nicht mehr zugeführt.

Eine Besonderheit stellt der Arabofriese dar, der seit den 60er-Jahren gezüchtet wird. Er besitzt einen gewissen Anteil an arabischem Blut, welches aus dem barocken Friesen ein sportlicheres, leistungsfähigeres Pferd machen soll. Optisch sind Friese und Arabofriese allerdings kaum zu unterscheiden.

Anschaffung: Wo kann man einen Friesen kaufen?

Nach wie vor befinden sich viele renommierte Gestüte in den Niederlanden. Aber auch in anderen europäischen Ländern werden die edlen schwarzen Friesenpferde heute erfolgreich gezüchtet.

Ihr Preis ist relativ hoch. Er richtet sich nach der Abstammung, dem Alter, dem Geschlecht und der Ausbildung des Pferdes. In der Regel kostet ein gesunder Friese aus seriöser Zucht zwischen 5.000 und 15.000 Euro.

Fazit zum Friesen

Friesen sind aufgrund ihres majestätischen Erscheinungsbildes, ihrer üppigen Mähne und ihres glänzenden schwarzen Fells ganz besondere Pferde. Sie richtig zu reiten, erfordert jedoch Erfahrung und reiterliches Können.

Quellen:


Natalie Decker
Profilbild Natalie Decker (mit Pferd)

„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, hat Loriot einmal gesagt. Dem wĂŒrde ich uneingeschrĂ€nkt zustimmen und ergĂ€nzen: „Ein Leben ohne Pferd, Katze und Kaninchen ebenfalls!“ Mein Herz schlĂ€gt fĂŒr alle großen und kleinen Tiere und ich habe das große GlĂŒck, als freie Autorin ĂŒber meine Leidenschaft schreiben zu dĂŒrfen. Mit meinen Artikeln möchte ich fĂŒr den Tierschutz sensibilisieren und Tierfreund/innen nĂŒtzliche Tipps geben.


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