29. Oktober 2018

Blaualgen im Aquarium erkennen und bekämpfen

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Schonungslos legt sich der grünblaue Teppich aus Blaualgen über Pflanzen, Gegenstände und den Bodengrund. Blaualgen im Aquarium sehen nicht nur unschön aus, sondern stellen auch für Pflanzen und Fische eine echte Bedrohung dar. Doch was sind Blaualgen eigentlich und wie entstehen sie? Erfahren Sie, wie Sie Blaualgen wirksam bekämpfen und wie Sie einen Befall im Vorfeld verhindern können.

Was sind Blaualgen?

Blaualgen, umgangssprachlich auch als „Schmieralgen“ bekannt, sind streng genommen gar keine Algen, sondern Bakterien – genauer gesagt Cyanobakterien. Damit gehören sie zu den ältesten lebenden Organismen überhaupt. Genauso wie Algen betreiben die Cyanobakterien Photosynthese, das heißt sie ernähren sich, indem sie Wasser und Kohlenstoffdioxid mit Hilfe von Lichtenergie (Chlorophyll) in Glucose und Sauerstoff umwandeln.

Warum sind Blaualgen im Aquarium schädlich?

Im Aquarium können die natürlichen Organismen jedoch zu einer echten Plage werden. Nicht wenigen Aquarien-Besitzern vergeht irgendwann, nach dem dritten Blaualgen-Befall, die Lust an dem schönen Hobby. Tatsächlich sehen die massiven blaugrünen Beläge im Aquarium nicht nur unschön aus und geben einen unangenehmen Geruch ab, sondern sie sind darüber hinaus sowohl für im Aquarium lebende Wasserpflanzen als auch für Fische und Wirbellose schädlich. Denn die meisten Blaualgen – von denen es übrigens über 2.000 verschiedene Arten gibt – produzieren Giftstoffe (Toxine). Eine Pflanze, die vollständig von den schmierigen Algen bedeckt ist, kann außerdem keine Photosynthese mehr betreiben. Sie wird sozusagen an der Nahrungsaufnahme gehindert und über kurz oder lang verkümmern.

Ursachen für Blaualgen im Aquarium

Bei einer genaueren Untersuchung ließen sich Blaualgen bzw. Cyanobakterien vermutlich in nahezu jedem Aquarium nachweisen. Tatsächlich stellen geringe Mengen der Bakterien in Aquarien mit einer stabilen Mikrofauna kaum ein Problem dar. Problematisch wird es erst, wenn sich die Cyanobakterien zu stark vermehren. Dies geschieht, wenn die Mikrofauna, also die Wasserchemie, aus dem Gleichgewicht gerät. Während mögliche Nährstoffüberschüsse im Wasser andere Pflanzen schädigen, begünstigen sie das Wachstum der unerwünschten Organismen eher. Eine nachlassende Wasserqualität hat auf die widerstandsfähigen Blaualgen kaum Auswirkungen – im Gegenteil. Anders als die Aquarienpflanzen stellen Cyanobakterien kaum Ansprüche an ihre Umgebung. Zur Photosynthese, also sprich zur Nahrungsaufnahme, brauchen sie einzig und allein Licht.

Wenn das System Aquarium aus dem Gleichgewicht gerät

Warum kippt die Wasserqualität in einem Aquarium plötzlich und begünstigt damit den Blaualgenbefall? Die Gründe für eine suboptimale Bakterienfauna sind ebenso vielfältig wie es Blaualgen-Arten gibt. Die wohl häufigsten Fehler sind:

  • eine mangelhafte Pflege des Aquariums
  • ein zu selten durchgeführter Wasserwechsel
  • zu häufige Fütterung der Fische
  • zu intensive oder zu lange Beleuchtung des Aquariums
  • zu viele Fische im Verhältnis zur Aquarium-Größe
  • Anstieg der Phosphat-Werte durch eine zu hohe Filterleistung

Was kann ich gegen Blaualgen im Aquarium tun?

Selbst die erfahrensten Aquarianer sind gegen die oben genannten Fehler nicht vollkommen immun und so kann es durchaus passieren, dass nach jahrelanger Pflege doch plötzlich Blaualgen im Aquarium auftauchen. Und sind diese erst einmal da, so lassen sie sich nicht so schnell wieder vertreiben. Schließlich sind Cyanobakterien hartnäckige Überlebenskünstler und Versuche, sie zu bekämpfen, sind häufig nur kurzfristig von Erfolg gekrönt. Also wie wird man Blaualgen im Aquarium wirklich dauerhaft los?

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Blaualgen erkennen

Bevor Sie den Kampf gegen die Blaualgen in Ihrem Aquarium für eröffnet erklären, sollten Sie natürlich sichergehen, dass es sich auch tatsächlich um solche Cyanobakterien handelt. Dank ihrer typischen Eigenschaften lassen sich Blaualgen zum Glück relativ leicht identifizieren. Dazu gehört zunächst einmal natürlich das dunkelgrün-bläulich schimmernde Aussehen der teppichartigen Beläge. Aber auch ihre schmierig-glitschige Textur ist ein typisches Merkmal. Darüber hinaus unterscheiden sich Blaualgen von anderen, echten Algenarten, wie etwa Grünalgen, durch ihren unangenehmen Geruch. Den faulig-moderigen, leicht fischigen Geruch können Sie leicht an Ihren Händen feststellen, wenn Sie ein von Blaualgen befallenes Blatt oder einen Gegenstand im Aquarium berührt haben. Bei starkem Befall verströmt der Gestank bereits, wenn Sie das Aquarium öffnen. Wer ganz sicher gehen möchte, kann zusätzlich ein paar Blaualgenklümpchen absaugen und für einen Tag in ein sauberes Glas geben. Bildet sich nach ein paar Stunden ein grüner Schleier rund um die Klümpchen, so handelt es sich höchstwahrscheinlich um Blaualgen.

Bringen Sie Ihr Aquarium-System wieder ins Gleichgewicht

Um Blaualgen wirksam zu bekämpfen, müssen sie – wie so oft im Leben – zurück zu den Ursachen gehen. Sie wissen nun, dass Blaualgen durch ein Ungleichgewicht im Aquarium-Haushalt entstehen. Das heißt, Sie müssen versuchen, das System Aquarium wieder richtig zum Laufen zu bringen. Neben einer Einschränkung der Fütterungsmengen oder einer Verringerung der Beleuchtungszeit, sollten Sie dazu folgende Pflege-Maßnahmen durchführen:

  • Entfernen Sie täglich die Blaualgen aus Ihrem Aquarium, indem Sie sie von Gegenständen oder Blättern absaugen. Stark befallene Pflanzen sollten Sie vollständig herausnehmen.
  • Führen Sie einen umfangreichen Wasserwechsel von mindestens 80 Prozent des Wasserinhalts durch. Wiederholen Sie den Vorgang gegebenenfalls.
  • Reinigen Sie den Filter und senken Sie dessen Filterleistung. Damit reduzieren Sie den Phosphat-Wert in Ihrem Aquarium.
  • Kaufen Sie eventuell neue Aquarienpflanzen. Die Pflanzen in Ihrem Aquarium sollten schnellwachsend sein und damit ein gutes Gegengewicht zu den Blaualgen darstellen.
  • Sorgen Sie für eine zusätzliche Belüftung des Aquariums, indem Sie eine Sauerstoffpumpe (auch Membranpumpe) installieren.

Diese Maßnahmen hindern die Blaualgen an ihrem starken Wachstum. Das wohl Entscheidendste dabei ist, dass Sie sie konsequent und mit viel Ausdauer und Geduld durchführen. Es bringt nichts, wenn Sie die Blaualgen einmal absaugen und danach hoffen, dass sie für immer verschwunden sind. Sie müssen die ungebetenen Organismen in Ihrem Aquarium konsequent stören, das heißt täglich entfernen, absaugen und abwischen.

Können Argusfisch und Posthornschnecke helfen?

Leider gibt es keine Fische, die Blaualgen fressen und Ihnen damit die Arbeit abnehmen würden. Selbst wenn mal ein hungriger Argusfisch von den Blaualgen probiert, wird er meist schnell wieder davon ablassen. Besser bewährt haben sich hier nur die so genannten Posthornschnecken, die die unschönen Teppichbeläge im Aquarium tatsächlich absaugen. Allerdings braucht man zur vollständigen Bekämpfung der Bakterien schon eine ganze Menge dieser kleinen Schneckentiere.

Bei starkem Befall: Dunkelkur durchführen

Sollten die Blaualgen trotz dieser Maßnahmen wieder auftreten, hilft vermutlich nur noch eine Dunkelkur. Schließlich brauchen Cyanobakterien in erster Linie Licht zum Wachsen – nimmt man ihnen dieses, so werden sie nach einiger Zeit „verhungern“ und aus Ihrem Aquarium verschwinden. Keine Sorge, die übrigen Aquarienpflanzen überstehen die Zeit ohne Licht in der Regel ohne Probleme.

Damit die Dunkelkur wirklich erfolgreich ist, sollten Sie folgendermaßen vorgehen:

  1. Vorbereitung: Führen Sie alle oben beschriebenen Schritte zur Bekämpfung der Blaualgen vor Beginn der Dunkelkur noch einmal durch: Saugen Sie alle sichtbaren Blaualgen-Beläge ab, führen Sie einen umfangreichen Wasserwechsel durch (mindestens 80 Prozent), reinigen Sie den Filter, installieren Sie eine zusätzliche Sauerstoffpumpe und drosseln Sie die Filterleistung. Falls Sie Ihr Aquarium zusätzlich mit CO2 düngen, sollten Sie diese Düngung vor der Dunkelkur zunächst einstellen.
  2. Schalten Sie das Licht Ihres Aquariums ab und decken Sie es auch von außen vollständig ab. Die Dunkelkur ist nur erfolgreich, wenn es im Aquarium wirklich vollständig dunkel ist. Fällt von der Zimmerbeleuchtung noch Licht hinein, reicht den Blaualgen dies zum Wachsen. Zur Verdunkelung eignet sich zum Beispiel ein Karton oder eine große Decke, die Sie über das Aquarium hängen.
  3. Reduzieren Sie die Fütterung der Fische oder stellen Sie diese am besten vollständig ein. Gesunde Fische kommen in der Regel mehrere Tage ohne Futter aus. Schauen Sie nach drei bis fünf Tagen kurz unter die Decke oder den Karton und prüfen Sie, ob es Ihren Fischen gut geht. Fall Sie das Gefühl haben, Sie brauchen Futter, geben Sie dieses bitte nur sehr sparsam und dunkeln Sie das Aquarium anschließend wieder vollständig ab.
  4. Führen Sie nach einer Woche erneut einen großen Wasserwechsel durch und entfernen Sie wenn nötig neue Blaualgen-Beläge.
  5. Lassen Sie das Licht weitere vier bis sechs Tage ausgeschaltet und füttern Sie in dieser Zeit nur sehr sparsam oder (am besten) gar nicht.
  6. Nach Ablauf von neun bis 14 Tagen nach Beginn der Dunkelkur können Sie das Licht Ihres Aquariums wieder einschalten und die Außen-Verdunkelung entfernen.
  7. Führen Sie direkt im Anschluss einen erneuten Wasserwechsel durch. Ersetzen Sie diesmal am besten 90 Prozent durch frisches Wassers.
  8. In den nächsten Tagen können Sie auch die zusätzliche Sauerstoffpumpe wieder ausschalten und die Fütterung Ihrer Fische wieder beginnen. Gehen Sie dabei aber nach wie vor sparsam vor. Sie tun sich und Ihren Fischen keinen Gefallen, wenn Sie nach der Dunkelkur auf einmal alles nachfüttern, was Sie während der unfreiwilligen „Diät“ nicht gegeben haben.

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Vorbeugen ist die beste Lösung

Wenn Sie es geschafft haben, alle Blaualgen mit den oben beschriebenen Maßnahmen aus Ihrem Aquarium zu verbannen, ist die größte Arbeit getan. Auf Ihrem Erfolg ausruhen, dürfen Sie sich allerdings nicht – schließlich wollen Sie ja nicht, dass die Blaualgen wiederkommen. Um dauerhaft Ruhe vor den unangenehmen Cyanobakterien zu haben, müssen Sie dafür Sorge tragen, dass das „Klima“ in Ihrem Aquarium stimmt. Dazu gehört, dass Sie die notwendigen Pflegemaßnahmen regelmäßig durchführen.

So reinigen Sie Ihr Aquarium richtig:

  • Wechseln Sie einmal pro Woche ca. 10 bis 20 Prozent des Wassers und führen Sie alle zwei Wochen einen größeren Wasserwechsel von etwa 30 bis 50 Prozent durch.
  • Reinigen Sie einmal wöchentlich die Wände des Aquariums mit einem Algenschwamm. Mindestens alle zwei Wochen sollten Sie auch alle Einrichtungsgegenstände gründlich abwischen.
  • Reinigen Sie den Bodenbelag einmal wöchentlich mit einem Sauger (Kiessauger)
  • Spülen Sie den Filter des Aquariums bei der Reinigung unter fließendem Wasser ab. Einmal pro Monat sollten Sie die Filterkartusche komplett austauschen.
  • Testen Sie regelmäßig die Wasserqualität mit einem Teststreifen oder einem digitalen Wassertester.
  • Achten Sie darauf, dass Sie immer viele hoch- und schnellwachsende Pflanzen im Aquarium haben. Diese helfen Ihnen, das Ökosystem in Ihrem Aquarium im Gleichgewicht zu halten.

Je regelmäßiger Sie Ihr Aquarium reinigen, desto weniger Arbeit werden Sie auf Dauer haben. Schließlich können sich Bakterien und Algen gar nicht erst ausbreiten, wenn Sie Wasser, Gegenstände, Bodenbelag und Scheiben wöchentlich säubern. Mit ein bisschen Übung und dem richtigen Zubehör werden Sie die Reinigung schnell erledigen und danach umso mehr Freude an Ihrem Hobby haben.

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