07. März 2019 - Aktualisiert 15. März 2019

Gesetze und Richtlinien für Katzenzüchter

maine coon katze

Sie sind verliebt in eine bestimmte Katzenrasse und überlegen, diese selbst zu züchten? Klingt nach einer tierisch guten Idee, allerdings sollten angehende Katzenzüchter sich bewusst machen, was auf sie zukommt. Schließlich erfordert es viel Wissen rund um Genetik und Kenntnisse über verschiedene Linien, bevor eine Zucht Sinn macht. Denn dahinter steckt viel mehr, als schlicht „zwei hübsche Katzen“ zusammenzubringen und sich am Nachwuchs zu erfreuen.

Neben Wissen ist Geld notwendig: Nur mit einem finanziellen Polster sollten Sie sich in das Abenteuer Katzenzucht wagen. Denn Vorsorge-Untersuchungen sowie Geburtsnachsorge sind kostspielig. Ganz zu schweigen von Ausgaben, die bei plötzlichen Krankheiten aufkommen können. Verantwortungsvolle Zucht bedeutet darüber hinaus die Mitgliedschaft in einem Katzenverein: Hier finden Sie Gleichgesinnte und können sich über Erfahrungen austauschen. Das alles sollte selbstverständlich sein, ist aber (leider) kein „Gesetz“.

Doch wie sieht es eigentlich rund um die rechtliche Seite aus? Darf jeder Katzenzüchter werden oder muss er bestimmte Voraussetzungen erfüllen? Wir haben das Wichtigste rund um Gesetze und Richtlinien für Katzenzüchter für Sie zusammengefasst.

Darf jeder Katzenzüchter werden?

Grundsätzlich ist „Katzenzüchter“ kein gesetzlich geschützter Begriff. Das heißt: Jeder kann zwei Katzen, sogar ohne Stammbaum, miteinander verpaaren und sich „Züchter“ nennen. Bezüglich der Seriosität eines Züchters sagt die Vereinszugehörigkeit mehr aus als die bloße Bezeichnung „Züchter“. Vereinsmitglieder müssen sich an diese Regeln halten, sonst droht ein Ausschluss – dazu später mehr. In gewisser Hinsicht könnte man also sagen, dass die Zuchtrichtlinien eines Vereins zumindest symbolisch das „Gesetz für Katzenzüchter“ sind. Zwar hindern Gesetze oder Verordnungen niemanden daran, Katzen zu „vermehren“. Eine Ausnahme bilden jedoch Freigänger in manchen Regionen: Immer mehr Städte oder Landkreise gehen dazu über, eine Kastrationspflicht einzuführen. Seriöse Züchter betrifft dies indes kaum, da sie ihre Katzen nicht in ungesichertem Freigang laufen lassen.

Der Qualzuchtparagraph

Leider schreibt das Gesetz keine Gesundheitsuntersuchungen für die Zucht von Katzenrassen vor. Allerdings sollten Züchter dennoch § 11b des Tierschutzgesetzes vor Augen haben, der besagt, dass eine gezielte Zucht verboten ist, wenn zu erwarten ist, dass bei den Nachkommen

„mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten, jeder artgemäße Kontakt mit Artgenossen bei ihnen selbst oder einem Artgenossen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führt oder die Haltung nur unter Schmerzen oder vermeidbaren Leiden möglich ist oder zu Schäden führt.“

Dank diesem sogenannten Qualzuchtparagraphen sind einige Extremzuchten in Deutschland nicht erlaubt. Hierzu gehören beispielsweise „Peke-Face-Perser“, deren Nase aufgrund der extremen Kopfform zwischen den Augen liegt. Sie leiden unter Atemproblemen und tränenden Augen. Ebenfalls nicht erlaubt sind schwanzlose Manx- oder Cymric-Katzen, die aufgrund einer Skelettanomalie häufig an Wirbelsäulenkrankheiten leiden. Haarlose Katzen wie die Sphynx sind erlaubt, sofern sie Schnurrhaare haben. 2015 hat ein Gericht die Kastration eines Sphynx-Katers in Deutschland angeordnet. Dem vorangegangen war ein tierärztliches Gutachten, dass bescheinigte, dass das Fehlen von Tasthaaren einer Qualzucht entspricht. Ebenfalls untersagte das Verwaltungsgericht Hamburg im Januar 2018 zwei Sphynx-Züchtern die Weiterzucht.

Einnahmen versteuern

Was vielen Katzenzüchtern zu Beginn nicht klar ist: Die Einnahmen aus dem Verkauf von Katzen sind in Deutschland und den meisten anderen Länder – ob mit oder ohne Verein – steuerpflichtig! Das bedeutet, Züchter müssen dem Finanzamt die Gewinne aus ihrer Katzenzucht mitteilen. Dies bedeutet allerdings auch, dass hiervon die Ausgaben abgezogen werden können. Abzugsfähig sind Kosten für Futter, Impfungen sowie weitere Tierarztkosten, Stammbaum und Zubehör wie Spielzeuge oder Bettchen. Ebenso können Züchter Ausstellungskosten inklusive Gebühren, Hotelkosten und Fahrten in Abzug bringen. Bleibt dann noch ein Gewinn, ist dieser zu versteuern.

Grundsätzlich wären Katzen sogar umsatzsteuerpflichtig, das heißt, beim Verkauf würde eine Mehrwertsteuer fällig. Dies gilt in Deutschland und vielen anderen Ländern nur, wenn Züchter mehr als einen je nach Land variierenden Mindestbetrag – meist eine fünfstellige Euro-Summe – mit ihrer Zucht verdienen, den in der Praxis nur wenige erreichen. Kritisch kann es jedoch bei Freiberuflern oder Personen sein, die ein anderes Gewerbe betreiben: Arbeitet ein Katzenzüchter hauptberuflich als Selbstständiger, wird die Umsatzsteuer in der Regel auch auf die Zuchtpreise aus seiner Hobbyzucht fällig.

Apropos „Hobbyzucht“ – dieser Begriff trifft wohl auf jeden Katzenzüchter zu, so dass er keine Aussagekraft hat. Schließlich wird kein Züchter ausschließlich von Einnahmen aus seiner Zucht leben. Bei Unklarheiten rund um Katzenzucht und Steuern wenden Sie sich am besten vor dem Start Ihrer Zucht an Ihr zuständiges Finanzamt sowie einen Steuerberater.

zwei maine coon katzenbabys

„Gesetze“ für Katzenzüchter: die Zuchtrichtlinien

Glücklicherweise ist das Einhalten der meisten tierschutzrelevanten Gesetze für Züchter eine Selbstverständlichkeit. Schließlich möchten sie, dass es ihren Schützlingen gutgeht. Darüber hinaus haben für einen Züchter die Zuchtrichtlinien seines Vereins eine immense Bedeutung. Denn nur Mitglieder in einem Katzenzuchtverein können Katzenwelpen mit legitimem Abstammungsnachweis verkaufen. Um diesen zu erhalten, müssen sie bestimmte Richtlinien einhalten, die der jeweilige Verein festhält. Dabei orientieren sich die Vereine meist an den Richtlinien großer Dachverbände und sind – abgesehen von kleineren Nuancen – mehr oder weniger einheitlich.

Zu diesen Richtlinien gehört es beispielsweise, einen Zwingernamen, also einen Namen für die Katzenzucht, zu beantragen. Dieser wird dann den Namen der künftigen Kitten angehängt. Nennt ein Züchter seine Cattery: „vom plüschigen Puschel“, heißen die Nachkommen zum Beispiel „Carlo vom plüschigen Puschel“ – zumindest auf dem Papier.

In den Zuchtrichtlinien geht es außerdem um die Gesundheit der Mutterkatze: Wann darf diese frühestens gedeckt werden – meist ab einem Alter von einem Jahr – wie oft darf sie in welchem Zeitraum Junge bekommen? Schließlich ist jeder Wurf für die Katzenmutter eine körperliche Herausforderung. Ebenso finden sich hier Regeln zur Gesundheitsprophylaxe der Zucht in Form von vorgeschriebenen Impfungen gegen Tollwut, Katzenseuche und Katzenschnupfen.

Was geschieht mit Deckgebühren, wenn ein Deckakt mit einem nicht zur Zucht gehörenden Deckkater ohne Erfolg war? Ab wann und mit welchen Dokumenten dürfen die Jungtiere zu ihren neuen Besitzern ziehen? Auch solche Details regeln die jeweiligen Zuchtrichtlinien. Ebenso ist deutlich festgehalten, welche Verpaarungen verboten sind: Bis auf wenige Ausnahmen, die zu beantragen sind, betrifft dies zum Beispiel Kreuzungen zwischen verschiedenen Rassen. Ebenfalls beantragen müssen Züchter in vielen Vereinen die Kreuzung von Katzen mit bestimmten Farbmerkmalen, wenn diese mit gesundheitlichen Risiken einhergehen kann – hierzu zählt die Kreuzung von zwei Tieren mit jeweils blauen Augen.

Dies sind nur einige Beispiele für geläufige Zuchtrichtlinien. Als Katzenzüchter sollten Sie sich intensiv mit den Richtlinien Ihres Vereins auseinandersetzen, bevor Sie ans Werk gehen. Aber auch für Käufer sind die Richtlinien interessant, sagen sie doch einiges über die Seriosität des jeweiligen Vereins und dessen Haltung zum Tierwohl aus.

Verstoß gegen die Zuchtrichtlinien

Verstößt ein Katzenzüchter gegen die Vorschriften seines Vereins, handelt es sich zwar nicht um einen Gesetzes-, wohl aber um einen Regelbruch. Meist schreiben die jeweiligen Zuchtrichtlinien vor, was bei einem Verstoß gegen sie passiert. So kann ein Verein einen Züchter – oft nach einer Abmahnung – ausschließen, wenn er sich nicht an dessen Regeln hält. In Folge erhält er für seine Jungtiere keinen Abstammungsnachweis dieses Vereins mehr und zählt – vielleicht aus gutem Grund – nicht mehr zum Kreis der vertrauenswürdigen Züchter, wenn ihn nicht ein anderer Verein aufnimmt. Wer sich für ein Kitten aus einer Katzenzucht interessiert und Verstöße gegen die Zuchtrichtlinien des zugehörigen Vereins erkennt – diese sind meist online einsehbar – kann sich an den Verein wenden. Es empfiehlt sich jedoch, vorher das Gespräch mit dem Züchter zu suchen.

Neben den Gesetzen und Zuchtrichtlinien möchten wir Sie auf weitere rechtliche Aspekte rund um die Katzenzucht aufmerksam machen, die vor allem beim Verkauf eine Rolle spielen: Was passiert beispielsweise, wenn sich herausstellt, dass ein verkauftes Kitten krank war? Und welche Sicherheit geben eigentlich Kaufverträge? Diese und weitere Fragen behandeln wir in einem Artikel über Rechte und Pflichten von Katzenzüchtern.

Vorschriften, die nicht nur, aber doch in besonderem Maße Katzenzüchter betreffen, finden Sie in einem Beitrag zu den Haltungsbedingungen von Katzen.

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