Kastration bei Haustieren : Kastriert vs unkastriert?

kastration bei haustieren

Es gibt viele Gründe für eine Kastration und ebenso viele Argumente gegen einen derartigen chirurgischen Eingriff. Ob Sie sich für eine Kastration Ihres Tieres entscheiden, hängt immens von der jeweiligen Tierart und den Haltungsumständen ab.

Wann ist eine Kastration sinnvoll?

Kleintiere müssen in der Regel nicht kastriert werden, da sie nur selten frei herumlaufen. Indem man die Gruppe durchdacht zusammensetzt, kann eine Trächtigkeit oft zuverlässig vermieden werden. Dennoch sieht es bei einer größeren Gruppenhaltung anders aus. Dies gilt auch dann, wenn medizinische Gründe eine Kastration notwendig machen.

Auch Hunde sind nach einer Kastration oft einfacher zu „kontrollieren“, obwohl es auch hier schnell zu ungeplanten Deckakten kommen kann. Die Phase der Läufigkeit ist zudem extrem stressig für weibliche Hunde.

Bei Katzen hingegen ist die Situation anders. Während sich Hunde einfach an die Leine nehmen lassen, ist das bei Katzen nicht der Fall, da diese ihren eigenen Kopf haben. Außerdem können Freigängerkatzen nur schwer von Artgenossen ferngehalten werden. Auch wenn es nicht zum Deckakt kommt, ist die Zeit der Empfängnisfähigkeit, die Rolligkeit, extrem stressig für weibliche Katzen. Diese sind ständig in Bereitschaft und vergessen somit oft zu fressen, erbrichen oder nehmen ab. Falls die Empfängnis ausbleibt, kann es zu hormonellen Veränderungen im Körper kommen. Aufgrund dessen können Erkrankungen wie Zysten, Gesäugetumoren sowie Entzündungen der Gebärmutter auftreten. Deshalb kann hier eine Kastration durchaus sinnvoll sein! Außerdem streunen männliche, nicht kastrierte Katzen weiter als ihre kastrierten Artgenossen. Folglich steigt die Gefahr von Verkehrsunfällen oder Kämpfen mit anderen Katzen extrem.

Der Tierschutzgedanke

Dazu kommt der Tierschutzgedanke. Eine Kastration aus Tierschutzgründen bei Katzen macht Sinn, denn ein Katzenpärchen kann in zehn Jahren bis zu 80 Millionen Nachkommen zeugen! Ob all diese Fellnasen jemanden finden, der sie füttert, sich um sie kümmert und sie regelmäßig dem Tierarzt vorstellt, ist zweifelhaft.

Hunde lassen sich vielleicht besser kontrollieren als Katzen. Doch auch hier gibt es ungeplante Würfe, sodass die Nachkommen in besten Falle direkt im Tierheim landen - oder ausgesetzt werden. Deshalb ist eine Kastration aus Tierschutzgründen also durchaus sinnvoll!

Der Eingriff

Während einer Kastration werden die Fortpflanzungsorgane des Tiers komplett entfernt. Das heißt bei männlichen Tieren werden die Hoden, bei weiblichen die Eierstöcke entfernt. Damit wird die Hormonproduktion ausgeschaltet.

Während der Eingriff bei männlichen Tieren relativ einfach ist, ist er bei weiblichen Tieren komplizierter. Denn für die Entnahme der Eierstöcke muss die Bauchdecke geöffnet werden. In manchen Fällen wird auch die Gebärmutter mitentfernt. Nach der Kastration sind die Tiere aufgrund der Narkose oftmals etwas benommen, weshalb Sie ihr Tier gut im Auge behalten sollten.

Veränderungen durch die Kastration

Außerdem stellt sich Tierfreunden eine weitere Frage. In wieweit verändert der Eingriff ihren vierbeinigen Freund – charakterlich und körperlich?

  • Bei nicht intakten Tieren verlangsamt sich der Stoffwechsel nach der OP, sodass Katzen und Hunde nach der Kastration zu Gewichtszunahmen neigen. Oft muss dann die Gesamtfuttermenge angepasst werden. Dazu bieten spezielle Futtermittel für kastrierte Tiere eine reduzierte Kalorienzufuhr.
  • Bei Katzenfreunden besteht der Glaube, dass der Eingriff negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Katerkopfes hat. Dieser ist dieser allerdings ausschließlich genetisch bedingt. Auch auf den Harnröhrendurchmesser bei Katern hat der Eingriff keine Auswirkungen.
  • Charakterlich sollte eine Kastration kaum Auswirkungen haben. Trotzdem wird aber ein nur noch seltenes Harnmarkieren bei Katze und Hund beschrieben. Zudem gelten kastrierte Tiere als weniger aggressiv als ihre nicht kastrierten Artgenossen!

Kastration Kosten

Die Kosten einer Kastration sind von vielerlei Faktoren abhängig und können folglich nicht pauschal angegeben werden. Als Basis zur preislichen Orientierung dient dafür die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Darin wird festgelegt, welchen Betrag Tierärzte für welche Leistungen verlangen dürfen. Jedoch decken die dort aufgeführten Kosten für Kastrationen ausschließlich die Arbeitsleistung des Tierarztes ab. Zusätzlich kommen weitere Kosten wie etwa für Medikamente oder verwendetes Material hinzu. Tierärzte sind außerdem dazu berechtigt, nach unterschiedlichen Gebührensätzen abzurechnen. Dabei bestimmen mehrere Faktoren wie der Schwierigkeitsgrad des Eingriffs oder der Zeitaufwand, welcher Satz letztendlich berechnet wird. Somit wird ein hoher Qualitätsstandard der tiermedizinischen Behandlungen sichergestellt. Mittlerweile sollen Tierärzte ab dem zweifachen Gebührensatz abrechnen. Während den Notdienstzeiten ist auch eine Abrechnung nach dem vierfachen Satz möglich.

Die GOT gibt folgende Kosten für Kastrationen (lediglich Arbeitsleistung des Tierarztes) an:

 

Gebührensatz in Euro

Hund

Katze

Kaninchen und Heimtiere

männlich

weiblich

männlich

weiblich

männlich

weiblich

Einfach

51,31

160,34

19,24

57,72

19,24

57,72

Zweifach

102,62

320,68

38,48

115,44

38,48

115,44

Dreifach

153,93

481,02

57,72

173,16

57,72

173,16

 

Denken Sie daran, dass zu den angegebenen Zahlen weitere Kosten hinzukommen (z.B. Narkose, Untersuchung sowie Mehrwertsteuer). Jedoch sollte der Betrag alleine kein Argument gegen eine Kastration sein. Denn günstiger als eine Trächtigkeit und Unterhalt von Jungtieren ist er allemal. Außerdem bieten viele Tierschutzvereine und Tierärzte auch Rabatte für Tierhalter an, die sich die OP nicht ohne weiteres leisten können.

Zucht

Falls Sie planen, mit Ihrem Tier zu züchten, spricht dies natürlich klar gegen eine Kastration. Denn der Eingriff ist dauerhaft und kann nicht rückgängig gemacht werden. Falls Sie mit dem Gedanken an eine Hobbyzucht spielen, bieten sich andere Verhütungsmethoden an. Dazu kann Sie Ihr Tierarzt fachmännisch beraten.

Wir wünschen Ihnen und Ihrem Tier alles Gute!

Unsere beliebtesten Beiträge

Katzenalter

Das Hundealter lässt sich bekannterweise einfach herleiten: Ein Hundejahr gleicht sieben Menschenjahren, wobei es hier auch auf die Rasse und Gewicht des Hundes ankommt. Wie lässt sich aber das Katzenalter bestimmen? Und wie alt werden Katzen überhaupt? Ab welchem Alter gelten Katzen als Senioren?

Coronavirus der Katze

Coronaviren kommen nicht nur bei uns Tierbesitzern, sondern auch bei unseren felligen Vierbeinern vor. Im Gegensatz zu dem Covid-19 hervorrufendem Coronavirus des Menschen (SARS-CoV-2) sind die Felinen Coronaviren (FCoV) der Katze jedoch schon seit vielen Jahren bekannt. Dazu zählt das Feline Enterale Coronavirus (FECV) und das deutlich bekanntere Virus der Felinen Infektiösen Peritonitis (FIPV). Letzteres verursacht die tödlich endende Feline Infektiöse Peritonitis (FIP), welche bei betroffenen Katzen zu Bauchfellentzündungen und Bauchwassersucht führt. An Covid-19 erkrankte Menschen, insbesondere Immungeschwächte wie Senioren und Kranke, leiden dahingegen unter grippeähnlichen Symptomen.

Sollte ich meine Katze kastrieren oder sterilisieren lassen?

Es gibt wohl kaum etwas Niedlicheres auf der Welt als Katzenbabys. Doch leider finden nicht alle Kitten ein schönes Zuhause. Wenn sich besitzerlose Streuner untereinander oder mit freilaufenden Hauskatzen paaren, ist ein Leben im Elend für ihren Nachwuchs quasi vorprogrammiert. Lassen Sie Ihre Katze kastrieren oder sterilisieren, beugen Sie unnötigem Leid vor.