Hund bei Hitze im Auto: So können Sie helfen

Verfasst von zooplus Redaktion
Hund bei Hitze im Auto

Hund in der Hitze-Falle: Wer richtig helfen und dabei auch rechtlich auf der sicheren Seite sein möchte, sollte einiges beachten.

Sie haben gesehen, dass ein Hund bei Hitze im Auto zurückgelassen wurde? Wann Sie einen Hund selbst befreien dürfen und was Sie dabei beachten sollten, erfahren Sie hier.

Hund in der Hitzefalle Auto

Trotz Warnungen und schlimmer Schlagzeilen passiert es immer wieder: Jedes Jahr sterben Hunde qualvoll in überhitzten Autos, nachdem ihre Halter sie dort aus Unwissenheit oder Fahrlässigkeit – vermeintlich kurz – zurückgelassen hatten.

Hund bei Hitze im Auto: Lebensbedrohlicher Hitzschlag möglich

Denn während so mancher Hundebesitzer „nur schnell“ in den Supermarkt springt, wird das Fahrzeug in der prallen Sonne binnen weniger Minuten zur tödlichen Hitzefalle. Selbst ein geöffnetes Fenster reicht nicht aus, um eine Wärme- und Luftzirkulation zu gewährleisten.

Unter solchen Umständen können Hunde schnell einen lebensbedrohlichen Hitzschlag erleiden. Verantwortungsvolle Hundebesitzer sollten ihre Vierbeiner daher nie im Auto zurücklassen.

Entdecken Sie einen leidenden Hund in einem heißen Auto zählt oft jede Minute – rasches, aber richtiges Handeln ist jetzt gefragt. Die Polizei oder die Feuerwehr dürfen in solchen Situationen in jedem Fall eingreifen. Aber auch an tierliebe, verantwortungsbewusste Menschen wird appelliert, sich im Notfall für das Leben des Hundes einzusetzen.

Planvoll helfen

Versuchen Sie im Ernstfall ruhig zu bleiben und halten Sie sich an die folgenden Schritte, um auch rechtlich auf der sicheren Seite zu sein:

  • Versuchen Sie immer zuerst den Tierhalter bzw. Besitzer des Autos ausfindig zu machen. Steht das Auto z.B. auf einem Supermarktparkplatz, können Sie den Halter ausrufen lassen. Fragen Sie alternativ in umliegenden Geschäften oder bei Passanten nach.
  • Ist der Hund noch nicht in akuter Lebensgefahr und der Halter nicht auffindbar, rufen Sie die Polizei oder die Feuerwehr.
  • Notieren Sie wichtige Daten zum Vorfall: Datum, Ort und Uhrzeit sowie Kennzeichen, Marke und Farbe des Autos.
  • Wenn möglich, dokumentieren Sie den Vorfall am besten mit Fotos.
  • Suchen Sie Zeugen, die den Vorfall bestätigen können und notieren Sie deren Kontaktdaten.
  • Bleiben Sie vor Ort, bis die Rettungskräfte eintreffen.

Ist der Zustand des Hundes bereits kritisch und es bleibt keine Zeit, auf den Halter oder die Rettungskräfte zu warten, ist sofortiges Handeln gefragt. Aber darf ich im Notfall die Autoscheibe einschlagen, um den Hund eigenständig zu retten?

Bevor Sie in Erwägung ziehen, die Autoscheibe einzuschlagen, halten Sie sich idealerweise an die oben genannten Schritte und sichern Sie sich mit Zeugen ab, um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden.

Hund bei Hitze im Auto: Wann die Scheibe einschlagen?

Denn das Einschlagen einer Fahrzeugscheibe gilt in Deutschland allgemein nach § 303 Strafgesetzbuch (StGB) als Sachbeschädigung und kann daher zivilrechtlich nach § 823 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) geahndet werden. Als Helfer muss man also damit rechnen, dass der Fahrzeughalter Strafanzeige erstattet.

ABER im Notfall sieht es anders aus: Wenn sich der Hund bei Hitze im Auto offensichtlich in einem lebensbedrohlichen Zustand befindet und die Rettungskräfte nicht rechtzeitig vor seinem Tod eintreffen würden, dürfen Sie die Scheibe einschlagen – ohne in der Regel rechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen. Eine eingeholte Erlaubnis der Polizei kann jedoch sinnvoll sein.

Hund bei Hitze im Auto: Lebensgefahr erkennen

Ob der Zustand des Hundes bereits lebensgefährlich ist, erkennen Sie zum Beispiel daran, dass er deutliche Atemnot zeigt, stark hechelt, taumelt oder sogar bereits bewusstlos ist.

Solange Sie nachweisen können, dass sich der Hund in akuter Lebensgefahr befand, der Halter nicht rechtzeitig auffindbar und Ihr Eingreifen die einzige Möglichkeit war, sein Leben zu retten, müssen Sie keine Strafe befürchten.

Wer trägt die Kosten?

Dafür können Sie sich auf den rechtfertigenden Notstand nach § 34 StGB und § 228 BGB berufen. Um im Falle einer Anzeige notwendige Beweise liefern zu können, ist es deshalb wichtig, dass Sie die Geschehnisse dokumentieren und Zeugen suchen.

Für entstandene Kosten eines notwendigen Polizei- oder Feuerwehreinsatzes muss nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz vom 25.08.2005 der Hundehalter selbst aufkommen.

Bevor Sie eine Autoscheibe einschlagen, prüfen Sie zunächst, ob sich eine Autotür oder ein Fenster durch einen vielleicht offengelassenen Spalt öffnen lässt. Ist dies nicht der Fall, versuchen Sie vorzugsweise und vorsichtig ein Seitenfenster einzuschlagen, um den Schaden so gering wie möglich zu halten.

Idealerweise verwenden Sie dafür einen spitzen Hammer, ein ähnliches Werkzeug oder auch einen größeren, spitzen Stein – bitte versuchen Sie es nicht mit der bloßen Hand. Schlagen Sie auch nicht direkt in die Mitte der Scheibe, sondern besser in eine Ecke. So können Sie im besten Fall verhindern, sich selbst oder den Hund bei Hitze im Auto zu verletzen.

Hund bei Hitze im Auto: Erste Hilfe leisten

Sobald der Hund befreit ist, sollte er schnellstmöglich versorgt werden. Tipps zur Ersten Hilfe und was bei einem Hitzschlag beim Hund zu tun ist, haben wir für Sie in einem separaten Artikel zusammengefasst: Erste Hilfe beim Hund

Beachten Sie auch: Nicht alle Hunde, die sich im Sommer alleine im Auto befinden, sind immer in akuter Lebensgefahr. Manche Autos sind mit Stand-Klimaanlagen ausgestattet und manchmal sind deren Halter tatsächlich nur wenige Minuten weg, um zum Beispiel ein Parkticket zu lösen.

Wenn es dem Hund augenscheinlich (noch) gutgeht, bleiben Sie zunächst ruhig und warten Sie einen kurzen Moment ab, bevor Sie eingreifen.

Rechtslage: Den Hund bei Hitze im Auto alleine zu lassen, ist strafbar

Wer seinen Hund alleine im geschlossenen Auto lässt und damit bei Hitze großer Gefahr und Leid aussetzt, verstößt nicht nur gegen die Tierschutz-Hundeverordnung (§ 8 TierSchHuV).

Man macht sich laut dem Tierschutzgesetz (§ 18 TierSchG) auch dem Tatbestand der Tierquälerei strafbar. Verantwortlichen droht dann ein Strafverfahren – und in der Folge ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.


zooplus Redaktion
zooplus Redaktion

Die zooplus Redaktion besteht aus einem engagierten Team von Experten und Redakteuren mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Tierhaltung: Florian, Luisa mit ihrem Schweizer Schäferhund Elyos und Franziska mit ihrer Malterserhündin Emmy sowie ihrem Pferd Rubi. Gemeinsam arbeiten wir mit einem großen Netzwerk aus Tierexperten daran, das zooplus Magazin zu einer vertrauenswürdigen Informationsquelle für alle Tierbesitzer und -liebhaber zu machen. Unser Ziel ist es, spannendes Tierwissen und relevante Informationen zur artgerechten Haltung von Haustieren bereitzustellen.


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